Enttäuschung oder „Öffnen durchs Rütteln“ Teil I

Ich glaube, es gibt keine Menschen, die in ihrem Leben sagen können „ich wurde noch nie enttäuscht“. Und wenn es sie gibt, dann haben sie etwas entdeckt, was andere mit Sicherheit noch nicht gefunden haben – die Kraft, in keiner Täuschung zu leben.

Ich habe mir diese Kraft noch nicht zu eigen gemacht.

Meine Bilanz zeigt einige Enttäuschungen, manche davon gingen ziemlich unter die Haut. Ich übersetze das Wort Enttäuschung so:  „gottseidank hast du endlich aus der Täuschung herausgefunden. Gut gemacht!“

Es fällt mir trotzdem unglaublich schwer, meinem emotionalen Eigenleben beizubringen, dass ich „gottseidank“ verletzt wurde und gottseidank aus einer Freundschaft oder Beziehung oder sonst etwas was mir viel bedeutete, „rauskatapultiert“ wurde.

Es ist schon Wochen her, seitdem ich das enttäuschende Erlebnis hatte. Ich habe diesen Beitrag einige Tage danach schon geschrieben. Inzwischen habe ich es einige Male geändert. Ich fand trotzdem noch nicht die Kraft, damit abgeschlossen zu haben und darüber zu posten. Auch wenn es viele Erkenntnisse in meinem Beitrag gibt, muss ich selber für das Thema „stehen“ können, bevor ich es poste. Das war bis heute noch nicht der Fall. Deshalb ist mein Beitrag länger als sonst geraten und ich mache daraus einen Zweiteiler.

Seit einem Jahr jetzt, beobachte ich, was um mich herum passiert und wie es mich beflügelt oder runterzieht. Wie ein Seismograph, weil ich Ziele verfolge, versuche ich jede Erschütterung vorauszusagen aber noch mehr, was die Erschütterung in meiner Zielverfolgung anrichtet, anders gesagt – mein „Relevantes Lernen“ dokumentieren.

Relevantes Lernen kennen wir aus der Psychologie. Beispiel: das kleine Kind greift auf die heiße Herdplatte, obwohl es das nicht tun sollte (Mamas Anweisung) und verbrennt sich die Finger. Später wird es dies nicht mehr freiwillig und absichtlich tun, weil die Lernerfahrung für es relevant war.

In Bezug auf Enttäuschungen ist mein Fazit bis jetzt, dass es nach jeder Enttäuschung eine Ernüchterung gab. Ich vergleich es mit einer Feier, bei der du mit den Mitfeiernden – ob Freunde oder nicht, spielt in meinem Beispiel keine Rolle – das Leben aufs Höchste genießt. Und wenn man feiert, gibt’s gutes Essen und gutes zum Trinken. Aber hin und wieder, in dem Hoch der Gefühle kann sein, dass du von dem Einen oder Anderen mehr erwischt…

Am nächsten Tag brummt entweder der Kopf oder du hast von irgendeiner Speise für laaange Zeit genug. So ist es auch bei der Enttäuschung. Du musst dich danach langsam an das Thema herantasten. Die Begeisterung dafür kann schwinden und was leider sehr bitter in Erinnerung bleiben kann ist, du wirst von Menschen enttäuscht. Ein Fernsehgerät oder ein Fahrrad oder ein Fingernagel Lack werden dich nie in dieser Tiefe treffen, und dich danach vom Nägel lackieren bis alles „verdaut“ ist abhalten.

So war auch meine Enttäuschung. Ich wurde einfach auf einmal wach gerüttelt aus dem „Rausch des Vertrauens und der Freundschaft“ und nichts kann es rückgängig machen.

Übrigens wenn du im Duden schaust, gibt es folgende Definition:

Rütteln: (etwas, was sich nicht aus eigenem Antrieb bewegen kann) fassen und heftig hin und her bewegen oder zu bewegen (oder zu öffnen) versuchen!

Ist das nicht genial? In diesem Licht betrachtet, ist eine Enttäuschung das Instrument, dass „etwas was sich nicht aus eigenem Antrieb bewegen kann“, in diesem Fall meine Person, „gefasst und heftig hin und her bewegt wird oder versucht wird in Bewegung zu bringen UM SICH ZU ÖFFENEN!

Tränen schießen mir in den Augen. Ich kann’s nicht genau sagen ob vor Freude oder Traurigkeit… Aber es ist sehr rührend, mitten drin in der ganzen enttäuschenden Geschichte die beste Pointe meines Lebens gehört und kapiert zu haben – das erste Mal!

Ich habe Bücher über Freundschaft gelesen, ich habe Seminare besucht, um zu lernen wie Enttäuschungen verarbeitet werden können, ich habe spannende Vorträge erlebt, die zeigen sollten wie es nach der Enttäuschung weitergeht. All das hat eine ganze Stange Geld gekostet und ich konnte nicht wirklich an den Kern der Sache kommen. Dabei ist – wie so oft – die einfachste Erklärung die wirksamste. Und es kostet nicht mal was. Frag „Dr. Google“ und lies den Duden. Punkt.

Auch im Buddhismus gibt es eine Erklärung, die mir überhaupt die Grundlage gegeben hatte, das Thema der zwischenmenschlichen Beziehungen einfach zu halten:

„Schwierigkeiten stählen und polieren unser Leben, so dass es vor Glück und Nutzen erstrahlen kann. Selbst der prächtigste Edelstein wird nicht funkeln, wenn man ihn in seinem ursprünglichen, ungeschliffenen Zustand belässt. Das gleiche gilt für unser Leben“  <„Die Welt der Schriften Nichiren Daishonins, Bd.2 S.134f“>

Daher wurde meine Frage, „warum habe ich so viele Diskussionen mit anderen, in welchen ich mich jedes Mal behaupten muss“, schon vor ein-zwei Jahren nicht mehr der Mittelpunkt meiner Fragestellung. In meinem neuen Verständnis fragte ich mich „was kann ich daraus für meine Weiterentwicklung mitnehmen?“.

Heute weiß ich, eine Enttäuschung ist der Versuch, mich für etwas zu öffnen. Auch wenn sich dies in dem Moment ziemlich heftig anfühlt, ist das ein normales Phänomen, welches sich das Leben für uns (vielleicht) ausgedacht hat, um das Wichtigste zum Vorschein zu bringen. Etwas, was du in deinem Leben noch nicht umgesetzt hast oder ein Talent, auf das du noch nicht zurückgegriffen hast, oder ein Chancenfenster überhaupt wahrzunehmen.

Bei mir war es das Thema Freundschaft. Indem „die eine heilige Freundschaft“ in Frage gestellt wurde und ich mich deshalb entschloss, eine respektvolle Behandlung von meiner Freundin, egal in wessen Anwesenheit oder in welcher Situation, zu verlangen, hatte mich meine Enttäuschung für meine Umgebung geöffnet. Und dies zeigte sich ein paar Tage später in Form einer Einladung zum Abendessen, einer anderen Einladung zum Kaffee und einer sehr netten Begegnung, bei der die Wertschätzung und der Respekt für meine Person zum Spüren war. Alles kam auf mich zu an einem Tag. Also genau so heftig wie die Enttäuschung, nur mit einer immens positiven Auswirkung.

Jetzt, da ich endlich verstanden habe, was mir die „Ent-Täuschung“ außer dem Verlassen der „Täuschung“ bringt, kann ich voller Selbstliebe sagen, mein suchender Geist erwies mir wieder einen großen Nutzen:

Ent-Täuschung
Ent-Täuschung

„Das Beste an einer Enttäuschung ist, dass der Nutzen immer grösser als der Verlust sein wird.“ ellasblogdotcom

 

Ein Kommentar zu „Enttäuschung oder „Öffnen durchs Rütteln“ Teil I

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