beste Freundin

Ich wollte ein Leben lang, eine „Beste Freundin“ haben.

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Vermutlich, weil ich nie eine hatte, bekam die Sache für mich eine so große Bedeutung. Ohne über die Hintergründe nachzudenken, ohne psychologische Hilfestellung zur Lösung des Problems, fiel mir eine Geschichte ein.
Die hatte ich vor Jahre, von einer Bekannten (nicht von meiner “beste Freundin”) 😉 gehört …

Ich fuhr mit dem Chor nach Bratislava, zu einem internationalen Jugendchor-Festival. Altersgruppe zehn bis achtzehn. Eine Busreise in den Siebziger war alles anderes als mühelos … Die Fahrt dauerte in etwa zehn Stunden. Ich erinnere mich an vieles nicht mehr… kurz vor Bratislava schlief ich ein.
Die lärmenden Mitreisenden weckten mich auf nach ein – zwei Stunden. Ich wollte gleich Fragen, wo wir sind, brachte aber keinen Ton heraus! Ich räusperte zweimal und versuchte erneut. Kein Ton.
Ich ging zögernd zu unserem Chorleiter und machte ihm klar, dass ich die Stimme verloren hatte. Er sah mich mit großen Augen an. Ich wusste nicht, ob er wütend oder betroffen war. Vor allem, was das für mich bedeutete. Ich hatte in zwei Lieder solo Auftritt. Er sagte, ich soll mir keine Sorgen machen, er wüsste ein Mittel. Sobald wir in unserer Unterkunft ankämen, würde mir das Rezept helfen.
Was kam, blieb für mich ein krasser Schock. Ich musste ein rohes Ei schlucken! Es würgt mich heute, wenn ich daran denke.
Ein Schülerheim war die Unterkunft für alle Chöre. Es war eine Erlebnisreiche Reise. Ich fand eine langjährige Brieffreundin in Kiew und verliebte mich in einen spanischen Burschen namens Pablo.
In Bratislava erfuhr ich das erste Mal, dass einen »Beste Freundin« haben, eine schwierige, unlogische Sache ist …
Ich teilte das Zimmer mit meine besten Freundinnen – Corinna, Zoie und Cristina. Das war unser Clique. Ich war blond, sie dunkelhaarig. Ich bekam Solostücke in unseren Chor, sie konnten damit nicht herausstechen. In der Schule bekam ich die Rolle der Klassensprecherin. Sie blieben im Hintergrund. Keine »Graue Mäuse«, bloß andere Rollen.
Mir war das sch… egal. In meiner Welt zählte die Freundschaft. Wenn sie mich darum baten, half ich. Ich war da, wenn es untereinander Zoff gab. Neutral. Mir war es ein Herzenswunsch, die Gemeinschaft zu wahren, den Spaß gemeinsam zu teilen.
An jenem Tag, am dem die Stimme versagte, verhielten sich die Drei eigenartig. Die Neckereien auf meine Kosten mahmen kein Ende. Angstgefühle stiegen auf. Die Stimme würde mich mitten im Stück verlassen, trichterten sie mir ein. Ich, der Chor, die Schule würden lächerlich versagen … Ich hörte machtlos zu. Konnte meinen Ohren nicht trauen …
Es schien, sie genossen das Geschehen. Mir wurde übel … kein Übel in Ihre Augen … Sie hatten eine und noch eine und noch eine Gemeinheit parat. Ich bekam Schüttelfrost. Ihr Lachen wurde zum Grinsen. Die Jagd auf meine Empfindungen war erfolgreich beendet.
Dann entschieden sie, mich meinem Schicksal zu überlassen. Richteten sich her und kichernd, verließen in Gänsemarsch das Zimmer in Richtung Willkommensparty. Ich konnte nicht schlafen, ich konnte nichts essen. War nur noch ein Stück Elend … Einsam im Zimmer, wälzte mich verzweifelt in Ängste und seelischen Schmerz.
Ich konnte es nicht verstehen. Meine besten Freundinnen! Ich wusste mir nichts vorzuwerfen.
Wir pickten immer zusammen, in der Schule, in unsere Freizeit. Ich wiederholte immer wieder die Konversationen im Gedächtnis, versuchte mir einzureden, dass es harmlos sei. Ging nicht. Mein Körper fühlte sich wie »in Brand gesteckt«. Ich lag im Bett schweißgebadet. Hatte das Gefühl, die Luft war stickig heiß … wollte augenblicklich unsichtbar werden. Weg von allem, den Schmerz entfliehen. Ich fing an auf und ab im Zimmer zu gehen, wie in Trance. Zwei Worte hämmerten in meinem Hirn »verraten und verkauft«. Als ich mich wieder spürte, stand ich auf dem Fensterbank.
Heilige Kuh! Es war im vierten Stock! Ein Wunder, dass das Gleichgewicht nicht verlor.
Am nächsten Tag gelang es mir die Stimme wieder zu erlangen und erbrachte die Sololeistung im Wettbewerb. Das rohe Ei schlucken, war ein Hauch vom Übel in das üble Spiel, das ich erlebt hatte.
Tja, seit Bratislava ist viel Zeit vergangen. Das, spielt heute keine Rolle.
Ich habe Freundinnen. Keiner davon gab ich wieder meinem Vertrauen um »Beste Freundin« zu sein.

Ich hatte mir die Geschichte gemerkt … Bewegend, traurig, melancholisch. Ein lebhaftes Beispiel für » the dark side of life«
Hand aufs Herz. Ich wünsche mir auch eine »Beste Freundin«. Eine mit der ich Abhängen kann, mit der ich meinen Kummer aus dem Büro teilen kann, der ich ein Geheimnis (verlässlich) anvertrauen kann, die sich sorgt, wenn es mir nicht gut geht, mir eine Schoko vorbei bringt, wenn ich krank bin. Eine die sich für mich starkmacht. Voll schnulzig aber in »Ela’s Welt«, jedes Mädchen wünscht sich das einmal … Bei meiner »Beste Freundin« bin ich, genau ich »traurig – runzeln, happy – schmunzeln«.
Meine Freundin versteht, dass ein Watschen ins Gesicht wegstecken kann. Ein Messer in den Rücken das Ende unserer Freundschaft ist. Soweit gut die Theorie.
Aus irgendeinem Grund scheint einer der schwierigsten Sachen im Leben einer Frau zu sein, eine »Beste Freundin« zu finden.
2011 war ich drei Jahren in meinem Job, in der Region seit sieben Jahre. Ich bin eine „Zuagroaste“, der Arbeit wegen hierher gezogen.
Ich war »kein Fisch, kein Fleisch«. Nicht angekommen und nicht fremd. Ich bekam keine Möglichkeit Anschluss zu finden. Kämpfte von Anfang an um meinen Platz in der »Mannschaft« und mittlerweile mit zehn Kilo Gewichtszunahme … Bis mich Sophie – Pia – zu Ihrem Geburtstag eingeladen hatte. Das war ein Riesen Spaß!!! Wir haben viel gesungen, getanzt, gut gegessen, mit anderen Kollegen herumgeblödelt.
In den kommenden Wochen ging Pia, Ihr Hund Dia und ich ein paar Mal spazieren, unterhielten uns über unsere Erlebnisse, lernten uns kennen. War eine Aufregende, rührende Zeit. Wir fanden heraus, dass wir Gemeinsamkeiten teilen. Ich entdeckte, dass das Leben eine Herzliche, aufrichtige, Freundin mir auf dem Weg schickte. Es war eine Frage der Zeit, dass wir zu Besten Freundinnen wurden. Sie war meine unsichtbare Stütze in die schwere Zeit, die ich im Job durchmachte. Heute kann ich mir die damalige Zeit ohne sie nicht mehr denken.
Nach vielen Monaten gab es einen Streit. Wir haben ein Jahr nicht miteinander gesprochen. Ich war in der »Schweigezeit« in Italien und fand eine Ansichtskarte über die Freundschaft. Die habe ich für sie gekauft. Da war mein Herz weiser als mein Kopf ;). Ich habe ihr heuer diese Karte zum Geburtstag geschenkt. import3
Wir beide sind jetzt reif für die »Beste Freundin« Freundschaft. Wir haben uns eingestanden, dass es um uns geht. Darauf haben wir uns eingelassen. Das unsichtbare Band, die »Beste Freundinnen« verbindet, ist erneut geknüpft. Im Gespräch, beim Prosecco Verkosten.
Ich hatte Glück. Ich kann’s mir jetzt, zur Weihnachtszeit gestehen, ein großer Wunsch ging in Erfüllung, noch bevor das Christkind kam … Ich bin Dankbar, eine „Beste Freundin“ zu haben! 😉

joyeux Noël & Vive l’amitié

2 Kommentare zu „beste Freundin

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